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Katharina
Behindertenwohnheim

Geschrieben: 03.02.2012 - 09:18

Wir betreuen ein Behindertenwohnheim in der Umgebung und behandeln dort einen jungen geistig und körperlich behinderten Epileptiker. Es besteht eine Schluckstörung. Die vorherige Therapeutin beschrieb die Situzation der Nahrungsaufnahme als variabel und ein Verschlucken von der Tagesform abhängig. Deshalb bestand mit der Einrichtung die Vereinbarung, dass täglich neu beurteilt wird, ob der Patient Nahrung zu sich nehmen soll oder diese entsprechend vorbereitet werden muss (andicken, passieren,...). Meine Mitarbeiterin behandelt den Patienten jetzt seit ca. 2 Monaten und bemerkt eine Verschlechterung des Zustand, Husten, Verschlucken bei fast jedem Bissen. Sie möchte eine FEES mit dem Ziel, dass eine Aspitration nachegewiesen und eine ONK ausgesprochen wird. Die Einrichtung möchte dies nicht, sondern lieber so weitermachen wie bisher - was therapeutisch allerdings wenig Sinn macht.
Ein weiteres Problem in dieser Einrichtung ist die Zusammenarbeit überhaupt, da man dort auch eher Praktikanten antrifft und es sich als schwierig gestaltet, überhaut einen Ansprechpartner zu finden - es gibt auch keiner Namen oder Telefonnummern von Entscheidungsbefugten weiter, was ich schon sehr merkwürdig finde. Es ruft auch keiner zurück und selbst ein Fax ist nicht verlässlich, mit jemandem Kontakt aufnehmen zu können. Ich denke, wir werden einen Gesprächstermin mit der Einrichtungsleitung vereinbaren, um diese Dinge zu klären.
Meine Frage nun ist die, wie wir therapeutisch bei diesem Patienten weiter verfahren können, wenn eine Zusammenarbeit nicht wirklich funktioniert - ?
Nicole
Beiträge: 66
Re: Behindertenwohnheim

Geschrieben: 03.02.2012 - 14:33

Hallo Katharina,
das klingt ja heftig!
Hoffentlich funktioniert euer Ansatz, mit der Einrichtungsleitung mal ein Gespräch zu führen. Ich drück euch die Daumen. Finde ich GANZ wichtig!
Ansonsten müsst ihr entscheiden, denke ich. Ihr könnt es nicht ändern, wenn die Einrichtung lieber weiter oral ernähren möchte. Aber wenn ihr dort seid, dann habt ihr die Wahl, ob ihr da mit macht oder nicht. Wenn sich der Patient so oft und immer mehr verschluckt, dann finde ich es unverantwortlich, ihm weiter oral Nahrung zu verabreichen. Natürlich sollte man genau gucken, ob es Konsistenzen gibt oder Tageszeiten, zu denen es vielleicht besser geht. Und man sollte so lang wie möglich ihm die Möglichkeit geben, etwas zu essen / schmecken, weil da ja viel von der Lebensqualität dran hängt. Aber wenn gar nix mehr geht - dann würde ich als Therapeut mich weigern, ihm weiterhin Essen zu geben.
Wenn möglich, würde ich weiterhin Mundhygiene und Mundmotorik machen. Vielleicht auch Nahrung in so "Kaubeutelchen" anbieten, damit er Geschmack im Mund hat, aber nicht aspirieren kann.
Mehr fällt mir leider auch nicht ein. Aber hoffentlich ergibt euer Gespräch mit der Leitung ne Möglichkeit, wie ihr gut zusammen arbeiten könnt!
Grüße, Nicole
eva
Beiträge: 225
Re: Re: Behindertenwohnheim

Geschrieben: 04.02.2012 - 14:03

Hallo!
Ich stimme mit Nicole in weiten Teilen überein. Was da alles passiert, wenn ihr NICHT dort seid, ist nicht eure Verantwortung.
ABER - vielleicht wäre es ja auch möglich, mit den Angehörigen zu sprechen? Die mit ins Boot zu holen und gut aufzuklären? Dann könnten die eure Bedenken weiter geben. Und ihr würdet nicht allein gegen Windmühlen kämpfen? Nur so als Idee.
Viel Erfolg!
Liebe Grüße,
Eva
Die Hummel hat eine Flügelfläche von 0,7cm2 bei einem Gewicht von 1,2g. Nach den bekannten Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen. Die Hummel weiß das aber nicht, und fliegt einfach.
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